Gemeinde Claußnitz

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"Den 14. Juli [1803 oder 04?] besuchte der hier geborene Musikdirektor Türk aus Halle seine hiesigen Verwandten".

Dieser Satz befindet sich in einem Aktenstück mit dem Titel: "Historische Nachrichten über die Parochie Claußnitz".  Angelegt hat diese Aufzeichnungen Pfarrer Meusel.

Er versah seinen Dienst in Claußnitz von 1838-1857. Zugleich war er ein außerordentlich verdienstvoller Heimatforscher. Seine Aufzeichnungen dienten nach 1840 zur Herausgabe der (alten) "Sächsischen Kirchengalerie".  Weit über die kirchlichen Verhältnisse hinausgehend werden darin nahezu alle Orte Sachsens beschrieben.

Julius Meusel schrieb auf, was ihm die Menschen aus der Vergangenheit von Claußnitz erzählten. Leider konnte auch er vierzig Jahre später nicht mehr feststellen, in welchem Jahr genau Musikdirektor Türk seinen alten Heimatort besuchte. Es muss aber im Jahr 1803 oder1804 gewesen sein. Zwischen Daniel Gottlob Türk und seinen Claußnitzer Familienangehörigen hat es mit Sicherheit einen regen Briefwechsel gegeben. Gegenseitige Besuche konnten im Zeitalter der Postkutsche aber nur Ausnahmen sein.

D.G.Türk war in den Jahren nach 1800 bereits so sehr im städtischen Musik-, Kirchen- und Universitätsleben von Halle verwurzelt, dass er unabkömmlich war. Wöchentliche Konzerte verlangten ständiges Proben. Bei den Aufführungen in der Marktkirche ließ er sich nie vertreten, aus Sorge darum, es könnte etwas nicht höchsten Ansprüchen genügen. Mit gewaltigem Fleiß und organisatorischem Geschick leitete er sehr viele musikalische Aufführungen in der Stadt Halle.

In einer Zeit, als ein Musikstück eben mit dem letzten Ton verklungen war und es noch keine Möglichkeit gab, eine Darbietung mit technischen Mitteln zu konservieren, hatte die unmittelbare Musikaufführung einen ganz anderen Stellenwert als heute. Chor, Orchester und Orgelspiel waren in allen Bereichen des Stadtlebens überall gegenwärtig. Neben seinen Konzerten gastierten ab 1800 zunehmend auch fremde Künstler in Halle, selbst diesen offensichtlichen Konkurrenten half Türk gelegentlich. 

Am ersten Weihnachtsfeiertag 1803 leitete Türk die Aufführung des Händel-Oratoriums "Messias" im Ratskeller von Halle. Sein Freund Weinmann hatte die organisatorische Leitung. Zunächst hatte Türk noch Bedenken gegen dieses barocke Händel-Oratorium gehabt. Jedoch die Mozartsche Bearbeitung dieser erzählend-dramatischen Komposition überzeugte ihn aber letztlich. Wegen des großen Erfolges wurde die Aufführung noch verbessert und genau ein Jahr später wiederholt.

Als Türk 1805 noch Händels populärstes Oratorium "Judas Maccabaeus" aufführte, war der Grundstein für eine deutsche Händelehrung gelegt. Überall schrieb man nun mit Begeisterung über Händel und erinnerte sich wieder an seine barocken Musikstücke.

Georg Friedrich Händel war 1685 in Halle/S. geboren worden, verbrachte jedoch einen Großteil seines Lebens als äußerst erfolgreicher Komponist und Opernunternehmer in England.  Bekannte Stücke sind seine "Wassermusik" und die "Feuerwerksmusik", welche er für Feste am englischen Königshof schrieb.

D.G. Türk ist mit der "Messias" –Aufführung zum Begründer der deutschen Händeltradition geworden. Durch die Kriegsereignisse und die westfälische Besetzung von Halle ab 1806 konnte er dieses Unternehmen zu seinen Lebzeiten jedoch nicht mehr zur vollen Entfaltung bringen. (dpc)

 
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